THE HIDDEN ART PROJECT

Lisa Rademacher

B: 53.1442499, L: 8.2107848

DIE ZERREISSPROBE

Es begann mit einem Rest Leinwand, der leider eingerissen war.

Wegen meiner eigenen Erfahrungen mit depressiven Gefühlen, interessiert mich die innere Schwärze, die wir sooft kleinspielen, runterschlucken und über die wir oft nicht frei reden können. Als ich diesen Fehler im Stoff sah, wollte ich darum den Riss nicht wegschneiden oder korrigieren, sondern betonen. Der Stoff reißt daher weiter auf, ist übersät von Schnitten, die sich wie Narben wölben. Die Haut reißt auf.

Außerdem stellte mich der neue, durch Isolation geprägten, veränderte Alltag auf eine deutliche Probe. Wie gehe ich mit Heimarbeit um, mit meinen eigenen Leistungsansprüchen, mit meiner Existenzsicherheit, mit meinem Bedürfnis nach sozialer Nähe, mit globaler Sorge, Angst und Verwirrung? Meine innere Schwärze und meine Schatten standen auf einmal wieder an meiner Seite.

Das Gefühl ist nicht ganz einfach zu beschreiben. Es zieht einen nach innen, es ist dunkel, es zerrt an einem. Nicht wie ein Schmerz, eher wie eine Leere, die alle Positivität und jeden Sinn aufsaugt, die eine Gravitation hat. Es ist manchmal weg, etwa wenn jemand einen Witz macht, aber es kommt wieder, unkontrolliert. Man sucht nach Halt, nach Stabilität und versucht sich selbst zu halten.

Hier stellt sich die Probe aufs Exempel, die Zerreißprobe. Es wird sich zeigen, wieviele Narben wir dabei sammeln. Ich weiß es nicht. Aber ich glaube, dass wir darüber offen mit einander reden sollten.
Auch wenn es uns manchmal zerreißt.

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